Thailändische Eheverträge: Ein praktischer Leitfaden

Warum ein Ehevertrag in Thailand wichtig ist

Bei einer Heirat in Thailand ist der thailändische Ehevertrag das wichtigste und zuverlässigste Instrument der Finanzplanung für Paare.

Dieser Vertrag wird durch die Paragrafen 1465–1469 des thailändischen Zivil- und Handelsgesetzbuches (CCC) geregelt. Er ermöglicht es zukünftigen Ehepartnern, im Voraus die Besitz- und Verwaltungsregelungen für das Vermögen während der Ehe sowie dessen Aufteilung im Scheidungsfall festzulegen.

Ein wesentliches Merkmal des thailändischen Rechts (Paragraf 1466 CCC) ist, dass dieser Vertrag ausschließlich vor oder gleichzeitig mit der Eheschließung abgeschlossen und registriert werden muss, um volle Rechtskraft zu entfalten.

Obwohl das thailändische Gesetz (Paragraf 1469 CCC) auch Vermögensvereinbarungen erwähnt, die nach der Eheschließung getroffen werden, können diese einseitig gekündigt werden und bieten nicht den gleichen Schutz. Daher ist der voreheliche Vertrag das Hauptinstrument zum Schutz von Vermögenswerten und zur Schaffung von Rechtsklarheit.

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Gleichstellung der Ehe am 23. Januar 2025 haben alle heiratenden Paare (unabhängig vom Geschlecht) die gleichen Rechte, einen Ehevertrag abzuschließen.

Die Grundlagen des thailändischen Güterrechts

Nach thailändischem Recht werden Vermögenswerte in zwei rechtliche Kategorien eingeteilt, die das Eigentum und die Aufteilung bei einer Scheidung bestimmen.

Sin Suan Tua (Getrenntes Vermögen)

Dies bezieht sich auf Vermögen, das ausschließlich einem Ehepartner gehört und bei einer Scheidung nicht aufgeteilt werden muss. Es umfasst:

  • Vermögen, das sich vor der Ehe im Besitz befand.
  • Gegenstände für den persönlichen Gebrauch wie Kleidung, Schmuck oder berufliche Werkzeuge.
  • Vermögen, das während der Ehe durch Erbschaft oder Schenkung erworben wurde (es sei denn, es wurde ausdrücklich zu gemeinschaftlichem Vermögen erklärt).
  • Die Mitgift (Sin Sod), die an die Familie der Braut gezahlt wird, und die Verlobungsgeschenke (Khongman), die der Braut übergeben werden, bleiben gemäß Abschnitt 1471 des Zivil- und Handelsgesetzbuches ihr alleiniges Eigentum.
  • Jedes Vermögen, das im Austausch für oder aus dem Verkauf von bestehendem Sin Suan Tua erworben wurde.

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Sin Somros (Gemeinschaftliches Vermögen)

Dies ist gemeinschaftlich erworbenes Vermögen, das bei Beendigung der Ehe gemäß Abschnitt 1533 des Zivil- und Handelsgesetzbuches zu gleichen Teilen (50/50) aufgeteilt wird. Es umfasst:

  • Während der Ehe erworbenes Vermögen.
  • Erbschaften oder Schenkungen, die schriftlich als gemeinsames Vermögen deklariert wurden.
  • Einkommen aus persönlichem Vermögen (die „Früchte“-Regel – siehe unten).
  • Mit gemeinsamen ehelichen Mitteln erworbenes Vermögen.

Gesetzliche Vermutung: Bestehen Zweifel, ob ein Vermögenswert getrennt oder gemeinschaftlich ist, geht das Gesetz gemäß Abschnitt 1474 des Zivil- und Handelsgesetzbuches davon aus, dass es sich um gemeinschaftliches Vermögen handelt.

Der häufigste Fehler von Ausländern: Die „Früchte“-Regel

Nach thailändischem Recht (Abschnitt 1474(3) des Zivil- und Handelsgesetzbuches) wird jedes Einkommen („Früchte“), das während der Ehe aus Ihrem getrennten Vermögen erzielt wird, standardmäßig zu gemeinschaftlichem Vermögen.

Beispiel:

  • Sie besitzen eine Eigentumswohnung vor der Ehe – die Wohnung bleibt getrenntes Vermögen.
  • Die während der Ehe erzielten Mieteinnahmen sind jedoch gemeinschaftliches Vermögen und werden bei einer Scheidung 50/50 aufgeteilt.
  • Dasselbe gilt für Aktiendividenden oder Zinsen aus Konten, die vor der Ehe bestanden.

👉 Die einzige Möglichkeit, diese „Früchte“ als getrenntes Vermögen zu behandeln, besteht darin, dies ausdrücklich in Ihrem Ehevertrag festzuhalten.

Wie Ihr Ehevertrag rechtsverbindlich wird: Die drei goldenen Regeln

Das thailändische Recht ist streng – wenn Sie auch nur einen Schritt auslassen, ist der Vertrag gemäß Abschnitt 1466 des Zivil- und Handelsgesetzbuches nichtig.

  1. Er muss schriftlich sein. Mündliche Vereinbarungen zählen nicht.
  2. Er muss von beiden Partnern und zwei volljährigen Zeugen (nach thailändischem Recht mindestens 20 Jahre alt) unterschrieben werden.
  3. Er muss gleichzeitig mit der Eheschließung beim Amphur (Bezirksamt) registriert werden. Der Ehevertrag sollte 6–8 Wochen vorher entworfen und geprüft werden, aber die formelle Registrierung muss am Hochzeitstag erfolgen. Sie können ihn weder vorher noch nachher registrieren lassen.

⚠️ WICHTIGER HINWEIS FÜR EUROPÄER:

In Thailand MUSS der Ehevertrag exakt am Tag der Eheschließung registriert werden. Ein nachträglicher Abschluss ist nicht möglich – anders als in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo Eheverträge jederzeit vor oder während der Ehe abgeschlossen werden können. Nacheheliche Vereinbarungen sind in Thailand zudem einseitig widerrufbar und bieten daher keinen verlässlichen Schutz.

Was ein thailändischer Ehevertrag leisten kann und was nicht

✅ Ein Ehevertrag kann:

  • Ihr getrenntes Vermögen auflisten, um zukünftige Streitigkeiten zu vermeiden.
  • Geschäftsinteressen und zukünftige Erbschaften schützen.
  • Die „Früchte“ (Mieten, Dividenden, Zinsen) Ihres getrennten Vermögens getrennt halten.
  • Einem Ehepartner erlauben, bestimmte gemeinschaftliche Vermögenswerte ohne gemeinsame Zustimmung zu verwalten, wie in Abschnitt 1476 des Zivil- und Handelsgesetzbuches vorgesehen.

🚫 Ein Ehevertrag kann nicht:

  • Kindesbelange (Sorgerecht, Umgang, Kindesunterhalt) regeln: Das Kindeswohlprinzip hat stets Vorrang. Thailändische Gerichte behalten sich alle Entscheidungen zu Kindern vor, unabhängig von vertraglichen Vereinbarungen.  Dies entspricht auch der Rechtslage im deutschsprachigen Raum.
  • Nachehelichen Unterhalt uneingeschränkt ausschließen: Gerichte haben einen Ermessensspielraum. Ein Verzicht, der einen Partner unangemessen benachteiligt, kann für unwirksam erklärt werden.
  • Grob unfair sein: Eine Vereinbarung, die einen Ehepartner extrem benachteiligt (z.B. ihm alle gemeinschaftlichen Vermögenswerte abspricht), würde von einem Gericht wahrscheinlich für nichtig erklärt werden, weil sie gegen den Grundsatz der öffentlichen Ordnung gemäß Abschnitt 1465 verstößt.
  • Ausländisches Recht auf Vermögenswerte in Thailand anwenden.

Wichtige Tipps für internationale Paare

1️⃣ Unabhängige Rechtsberatung für die internationale Anerkennung

Für die Gültigkeit eines Ehevertrags in Thailand ist eine unabhängige Rechtsberatung für beide Partner nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Für die Anerkennung im Ausland (z.B. in Deutschland, Österreich oder der Schweiz) ist sie jedoch faktisch unerlässlich. Gerichte im deutschsprachigen Raum prüfen Verträge auf prozedurale Fairness. Das Fehlen einer unabhängigen Beratung kann dazu führen, dass der Vertrag im Heimatland als unwirksam angesehen wird, weil er unter ungleichen Bedingungen (z.B. aufgrund von Sprachbarrieren oder rechtlicher Unerfahrenheit) zustande kam.

2️⃣ Nutzen Sie eine „Doppel-Ehevertrag“-Strategie

Wenn Sie Vermögen sowohl in Thailand als auch im Ausland besitzen, ist dies der sicherste Ansatz:

  • Erstellen Sie einen thailändischen Ehevertrag für in Thailand befindliche Vermögenswerte.
  • Erstellen Sie einen ausländischen Ehevertrag (nach dem Recht Ihres Heimatlandes) für Vermögenswerte außerhalb Thailands.
  • Beide Verträge müssen sich ergänzen und dürfen sich nicht widersprechen.

Warum nacheheliche Verträge nicht funktionieren

In Thailand können nacheheliche Vermögensvereinbarungen gemäß Abschnitt 1469 des Zivil- und Handelsgesetzbuches von jedem Ehepartner einseitig widerrufen werden – sogar während der Ehe. Das macht sie für einen langfristigen Schutz unzuverlässig.

Das Gesetz zur Gleichstellung der Ehe: Eheverträge für alle Paare

Das Gesetz zur Gleichstellung der Ehe, das am 23. Januar 2025 in Kraft trat, ersetzt geschlechtsspezifische Begriffe wie Ehemann und Ehefrau durch Ehepartner. Gleichgeschlechtliche Paare haben nun die gleichen Rechte zu heiraten, zu adoptieren, zu erben und Eheverträge abzuschließen.

Abschließende Checkliste ✅

TUN:

  • Beginnen Sie 6–8 Wochen vor der Hochzeit.
  • Beauftragen Sie separate, unabhängige Anwälte (dringend empfohlen für internationale Paare).
  • Lassen Sie den Vertrag zweisprachig (Thai + Englisch bzw. Deutsch) erstellen.
  • Registrieren Sie den Ehevertrag zusammen mit der Eheschließung beim Amphur.

NICHT TUN:

  • Verlassen Sie sich auf eine mündliche oder nicht registrierte Vereinbarung.
  • Fügen Sie Klauseln über das Sorgerecht für Kinder oder Unterhaltszahlungen ein.
  • Warten Sie bis nach der Hochzeit – dann ist es ungültig.

Erforderliche Dokumente für die Registrierung von Eheschließung und Ehevertrag

DokumentAusländischer PartnerThailändischer Partner
Reisepass (Original + Kopie)✅N/A
Thailändischer PersonalausweisN/A✅
Hausregister (Tabien Baan)N/A✅
Ehefähigkeitszeugnis (von der Botschaft)✅N/A
Thailändische Übersetzung des Zeugnisses, legalisiert durch das Außenministerium✅N/A
Scheidungs- oder Sterbeurkunde (falls zutreffend)✅✅
Bescheinigung über Namensänderung (falls zutreffend)✅✅
Unterzeichneter zweisprachiger Ehevertrag (2 Originale)✅✅
Zwei volljährige Zeugen für Ehe und Ehevertrag✅✅

Hinweis für Ausländer: Ehefähigkeitszeugnisse müssen von der jeweiligen Botschaft (z.B. der deutschen, österreichischen oder schweizerischen) ausgestellt und vom thailändischen Außenministerium legalisiert werden. Planen Sie hierfür ausreichend Zeit ein (oft 2-4 Wochen).

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F1: Können wir die „Früchte“-Regel in einem thailändischen Ehevertrag ändern?

Ja – das ist einer der Hauptgründe, überhaupt einen abzuschließen. Standardmäßig behandelt Abschnitt 1474(3) des Zivil- und Handelsgesetzbuchs die „Früchte“ Ihres getrennten Vermögens (Mieteinnahmen, Dividenden, Zinsen) während der Ehe als gemeinschaftliches Vermögen. Diese Standardregel gilt jedoch nur, sofern Sie nichts anderes vereinbart haben. Abschnitt 1465 erlaubt es Paaren ausdrücklich, ihre Vermögensverhältnisse vor der Eheschließung selbst zu regeln. Sie können diese Früchte daher als getrenntes Vermögen (Sin Suan Tua) behalten – vorausgesetzt, Sie beachten zwei Dinge:

  • Ausdrücklich regeln und eintragen lassen. Der Ehevertrag muss klar festhalten, dass die Früchte des jeweils getrennten Vermögens getrennt bleiben, und er muss gemäß Abschnitt 1466 gemeinsam mit der Eheschließung unterzeichnet und eingetragen werden. Eine unklare oder nicht eingetragene Klausel genügt nicht.
  • Die Gesamtregelung muss fair bleiben. Ein Gericht kann eine Klausel dennoch aufheben, wenn die Vereinbarung insgesamt grob einseitig ist – aufgrund des Grundsatzes der öffentlichen Ordnung in Abschnitt 1465. Die Erträge aus dem eigenen Vermögen zu behalten ist üblich; dem anderen Ehegatten alles zu entziehen, ist es nicht.

Die Früchte-Regel ist also eine Standardregel, von der Sie abweichen können – keine feste Definition, an die Sie gebunden sind.

F2: Was passiert, wenn wir den Ehevertrag nicht am Hochzeitstag registrieren lassen?

Er ist rechtlich nichtig. Abschnitt 1466 des Zivil- und Handelsgesetzbuches ist in diesem Punkt absolut.

F3: Ist ein thailändischer Ehevertrag in meinem Heimatland durchsetzbar?

Das kommt darauf an. Ein nach thailändischem Recht gültiger Vertrag wird grundsätzlich anerkannt, kann aber auf Fairness und die Umstände seines Zustandekommens überprüft werden. Insbesondere wird geprüft, ob beide Parteien die Vereinbarung vollständig verstanden haben und ob eine unabhängige Rechtsberatung stattgefunden hat. Deshalb ist die „Doppel-Ehevertrag“-Strategie für internationale Paare sehr zu empfehlen.

Ehevertrag in Thailand – so unterstützen wir Sie

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Haftungsausschluss: Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und stellt keine Rechtsberatung dar. Bitte holen Sie sich professionellen Rat, der auf Ihre Situation zugeschnitten ist.

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Mikhail Borodin - Managing Partner, AIM Bangkok

Über den autor

Mikhail Borodin

Managing Partner

Mikhail ist seit 1997 im internationalen Wirtschaftsrecht tätig. Seine Karriere begann bei führenden deutschen Wirtschaftskanzleien in Russland, wo er Mandanten aus der DACH-Region bei grenzüberschreitenden Transaktionen betreute. Anschließend war er für internationale Kanzleien in Bangkok tätig. Heute begleitet er mit AIM Bangkok Unternehmen und Privatpersonen beim Markteintritt, bei Investitionen, Immobilientransaktionen und der Relocation nach Thailand. Mikhail Borodin spricht fließend Deutsch, Englisch und Russisch und lernt Thai. Mikhail ist in Thailand nicht als Rechtsanwalt zugelassen. Die Beratung zu Fragen des thailändischen Rechts erfolgt durch die in Thailand zugelassenen Rechtsanwälte der Kanzlei.