Thailand legt Grundsätze für erstattungsfähige Steuergutschriften (QRTC) unter Pillar Two vor

Die thailändische Steuerbehörde (Revenue Department) hat Grundsätze für ein künftiges Gesetz über qualifizierte erstattungsfähige Steuergutschriften (Qualified Refundable Tax Credits, QRTCs) veröffentlicht. Mit den Gutschriften sollen Steuern bezahlt werden können; ein nicht genutzter Restbetrag soll letztlich in bar erstattet werden.

Der Vorschlag befindet sich vom 6. Oktober bis 5. November 2026 in der öffentlichen Konsultation.

Das Verfahren steht noch am Anfang. Ein Gesetzentwurf im Wortlaut liegt nicht vor, veröffentlicht wurden nur dessen Grundsätze. Es gibt noch keine verfügbaren Gutschriften, keine Antragsmöglichkeit und kein Inkrafttretensdatum. Voraussetzungen, Gutschriftsätze, förderfähige Ausgaben und die Steuern, die mit einer Gutschrift beglichen werden können, sollen durch nachfolgende Rechtsakte festgelegt werden.


Bekannte Politik, neuer Rechtsrahmen

Die QRTC-Politik selbst ist nicht neu.

Im August 2025 teilte das Board of Investment (BOI) mit, dass die Kommission für die Politik zur Stärkung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit in Zielindustrien Änderungen des Wettbewerbsförderungsgesetzes zur Einführung erstattungsfähiger Steuergutschriften gebilligt hatte. Das Revenue Department sollte parallel steuerliche Regeln ausarbeiten. Die damals vom BOI genannten Bereiche – Forschung und Entwicklung, Fachkräfteentwicklung, Produktivität und nachhaltige Investitionen – zeigen nur die politische Absicht; das Konsultationspapier überlässt die Förderkriterien einem königlichen Dekret.

Im November 2025 bestätigte das BOI, dass bestehende Steuerbefreiungen und -ermäßigungen weiterhin gelten. QRTCs sollen ein zusätzliches Instrument sein, vor allem für multinationale Gruppen, die unter die globale Mindeststeuer fallen.

Das Konsultationspapier vom Oktober 2026 sieht ein eigenständiges Gesetz vor, das vom Revenue Department vollzogen wird. Danach haben Revenue Department und BOI den rechtlichen Mechanismus und die Finanzierung gemeinsam geprüft; offen bleibt, wie sich das neue Gesetz zum BOI-Vorschlag von 2025 verhält.


Der vorgeschlagene Mechanismus

Das Revenue Department würde die Anträge prüfen. Ein Ausschuss unter Vorsitz seines Generaldirektors würde die jährliche Politik und das verfügbare Volumen festlegen, einzelne Anträge genehmigen sowie Beginn und Ende der Förderung bestimmen. (Grundsätze 2, 4–7)

Genehmigte Empfänger erhielten elektronische QRTC-Zertifikate. Das vorgeschlagene System umfasst:

  • Steuerzahlung: Mit den Zertifikaten könnten Einkommensteuer sowie weitere durch königliches Dekret bestimmte Steuern und Abgaben beglichen werden. (Grundsatz 9)
  • Vier Jahre Gültigkeit: Ein Zertifikat wäre vier Jahre ab Genehmigung durch den Ausschuss gültig.
  • Barerstattung: Drei Jahre nach Beginn der Förderung könnte der Inhaber die Erstattung des nicht genutzten Restbetrags beantragen. (Grundsatz 10) Der erste Grundsatz des Papiers spricht gesondert von einer Erstattung innerhalb von vier Jahren ab einem noch festzulegenden Datum; der genaue Erstattungszeitraum steht daher noch nicht fest.
  • Übertragbarkeit: Gutschriften könnten nach Regeln des Generaldirektors des Revenue Department übertragen werden. Der Erwerber erhielte nur den verbleibenden Betrag und die verbleibende Laufzeit; eine Übertragung setzt die Frist nicht neu in Gang. (Grundsatz 11)
  • Finanzierung: Das Revenue Department könnte einen Teil der vereinnahmten Körperschaftsteuer nach Abzug der mit Formular P.N.D. 53 abgeführten Quellensteuer einbehalten. Der einbehaltene Betrag dürfte 1% dieses Nettobetrags nicht übersteigen und würde sowohl die Gutschriften als auch deren Verwaltung finanzieren. (Grundsatz 3)

Die Behörde erhielte zudem Prüfungsbefugnisse nach dem Vorbild des Revenue Code. Gutschriften könnten geändert oder widerrufen werden, wenn der Empfänger die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt, Bedingungen verletzt oder bei einer Prüfung nicht mitwirkt. Bereits genutzte oder erstattete Beträge könnten samt Zinsen zurückgefordert werden; für falsche Angaben, Betrug und die Nichtvorlage von Informationen wären Sanktionen vorgesehen. (Grundsätze 12–13)


Warum QRTCs unter Pillar Two wichtig sind

Thailands Notverordnung über die Ergänzungssteuer (Top-up Tax) gilt für Wirtschaftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2025 beginnen. Sie erfasst in der Regel multinationale Gruppen mit einem konsolidierten Umsatz von mindestens 750 Mio. EUR in mindestens zwei der vier vorangegangenen Jahre.

Eine herkömmliche Steuerbefreiung senkt die in Thailand gezahlte Steuer und kann damit den effektiven Steuersatz einer Gruppe nach den GloBE-Regeln der OECD verringern. Ein Fehlbetrag unter dem Mindestsatz von 15% kann dann als Ergänzungssteuer erhoben werden, auch im Rahmen der thailändischen nationalen Ergänzungssteuer.

Eine Gutschrift, die die OECD-Definition einer QRTC erfüllt, wird anders behandelt: Sie gilt grundsätzlich als Einkommen und nicht als Minderung der erfassten Steuern.

Der Unterschied kann erheblich sein. Bei einem Gewinn von 100 und einer Steuer von 20 ergäbe eine QRTC von 10 einen beispielhaften effektiven GloBE-Steuersatz von rund 18,2% (20 / 110). Würde derselbe Betrag als gewöhnliche Steuerminderung behandelt, läge der Satz bei 10% (10 / 100).

Die Wirkung einer QRTC ist daher in der Regel geringer, aber nicht zwingend null.

Maßgeblich ist die tatsächliche Ausgestaltung, nicht die Bezeichnung im nationalen Recht. Nach den OECD-Regeln muss die Gutschrift innerhalb von vier Jahren, nachdem der Empfänger die Voraussetzungen erfüllt hat, in bar oder als Barmitteläquivalent auszahlbar sein.

Der thailändische Vorschlag verwendet mehrere möglicherweise unterschiedliche Bezugsdaten: Genehmigung, Beginn, Ablauf und den Zeitpunkt, ab dem eine Erstattung beantragt werden kann. Das endgültige Gesetz muss diese Daten so abstimmen, dass die Gutschrift den OECD-Test erfüllt.

Das Side-by-Side-Paket der OECD vom Januar 2026 führte außerdem einen Safe Harbour für substanzbasierte Steueranreize (Substance-based Tax Incentive Safe Harbour) ein. Vorbehaltlich der Umsetzung im jeweiligen nationalen Recht kann eine multinationale Gruppe für bestimmte ausgaben- oder produktionsbezogene Anreize, einschließlich QRTCs, die die Voraussetzungen erfüllen, innerhalb einer substanzbasierten Obergrenze eine günstigere Behandlung wählen. Das thailändische Konsultationspapier geht auf diesen Safe Harbour nicht ein; ob er im Rahmen der thailändischen nationalen Ergänzungssteuer verfügbar ist, bedarf gesonderter Bestätigung.


Offene Fragen

Mehrere wirtschaftlich wichtige Punkte lässt die Konsultation offen:

  • Welche Unternehmen, Projekte und Ausgaben werden förderfähig sein?
  • Welche Gutschriftsätze und jährlichen Obergrenzen gelten?
  • Können bereits BOI-geförderte Unternehmen in das System wechseln, eine Gutschrift mit einer Befreiung kombinieren oder bestehende Anreize umwandeln?
  • Welche Steuern und Abgaben können mit einem Zertifikat beglichen werden?
  • Wer darf eine übertragene Gutschrift erwerben, und wie werden Übertragungen bepreist, besteuert und bilanziert?
  • Wer haftet für die Rückzahlung, wenn eine übertragene Gutschrift später widerrufen wird?
  • Können die Zertifikate für die thailändische nationale Ergänzungssteuer verwendet werden?
  • Wie greifen Genehmigungs-, Beginn-, Ablauf- und Erstattungsdaten ineinander?

Die Konsultation legt die Grundarchitektur fest; über den wirtschaftlichen Wert entscheiden jedoch die königlichen Dekrete und Verwaltungsvorschriften.


Offizielle Quellen


BOI-Förderung und Mindeststeuer: wie wir helfen können

Wenn Ihr thailändisches Unternehmen eine BOI-Förderung nutzt und Ihre Gruppe unter die globale Mindeststeuer fällt, prüfen wir, wie Ihre Vergünstigungen zum neuen QRTC-Mechanismus passen, und sagen Ihnen, was als Nächstes zu tun ist.

Beschreiben Sie kurz, was Ihr Unternehmen macht, welchen BOI-Status es hat und welche Vergünstigungen es erhält.

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Er beschreibt Konsultationsvorschläge, kein geltendes Recht.

Alle Artikel dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Rechtsberatung dar.

Mikhail Borodin - Managing Partner, AIM Bangkok

Über den autor

Mikhail Borodin

Geschäftsführender Partner

Mikhail Borodin ist russischer Jurist und seit 1997 im internationalen Wirtschaftsrecht tätig. Seine Schwerpunkte sind Gesellschaftsrecht, ausländische Investitionen, Immobilien und grenzüberschreitende Transaktionen.

Er schloss sein Jurastudium an der Staatlichen Universität Sankt Petersburg mit Auszeichnung ab. Vor der Gründung von AIM Bangkok arbeitete er bei führenden deutschen Wirtschaftskanzleien in Russland sowie internationalen Kanzleien in Bangkok. Dabei betreute er insbesondere Mandanten aus der DACH-Region.

Er spricht fließend Deutsch, Englisch und Russisch und lernt Thai.

Mikhail Borodin ist in Thailand nicht als Rechtsanwalt zugelassen. Die Beratung zum thailändischen Recht erfolgt durch die in Thailand zugelassenen Rechtsanwälte der Kanzlei.